Was ist los?

Selbst wenn die ein oder andere Komponente weniger ausgeprägt genutzt wird: Das ist keine Dystopie, das ist Realität.

Wirre Gedanken

Ich hab da mal einen vollkommen irren Gedanken zur derzeitigen politischen Lage.

Einerseits – es soll eine Vorratsdatenspeicherung geben. Die beinhaltet eine permanente Lokalisierung aller Handys.

Andererseits – es kommt eine PKW-Maut. Die auch die Mautbrücken verwenden wird. Damit werden PKWs lokalisiert.

Drittenseits – TTIP, das „Freidreh-Abkommen“, nein, Freihandelsabkommen soll mit aller Gewalt und mit Merkel durchgepeitscht werden.

Viertens – NSA-Ausschuss belegt, dass die Geheimdienste machen, was sie wollen.

Fünftens – NSU-Ausschüsse zeigen auf, dass die Verfassungsschutzämter die Morde nicht verhindern wollten, aber alles taten, um die Aufklärung zu verhindern.

Zusätzlich soll mal wieder das Bundesverfassungsgericht daran gehindert werden, verfassungswidrige Gesetze zu kassieren.

Für mich ergibt das ein wirres, aber doch klares Bild.

  • Die Regierung will Gesetze durchbringen, gegen die Stasi und Notstandsgesetze ein flacher Witz waren. Und auf jeden Fall verfassungswidrig sind
  • Demonstranten sollen bereits weit im Vorfeld von Demonstrationen geortet (Kennzeichen-Scanning durch Mautbrücken), abgefangen und „sicherheitsverwahrt“ werden
  • Legale Demonstrationen werden…

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Weintrinker auf Bierwegen

Eigentlich ist Anke Schuld. Zusammen mit Volker. Die beiden haben auf dem Barcamp Hamburg anno 2013 eine Session über Weine gehalten, und seitdem sind wir kulinarisch, wann immer es geht, mit einem seniorig erfahrenen Liebhaber genialer Restaurants unterwegs.

Auch die Bierverkostung im Bierland Hamburg vor ein paar Tagen kam auf Initiierung des seniorig erfahrenen Liebhabers kulinarischer Spezialitäten – nennen wir ihn PJebsen – zustande.

Nach einem opulenten, eine Basis verschaffenden Essen im Golden – ihr dürft raten – brachen wir in das unweit gelegene Bierland auf. Da der Chef uns mit deutlich mehr Sachen verwöhnte, als wir bestellt hatten, waren wir auch gut gerüstet.

Esther, die Chefin des „Bierland“, einem kleinen, verwinkelten Laden im zentralnahen Osten Hamburgs, stellte uns 10 ihrer liebsten Sorten vor. Da sie selbst auch ursprünglich aus der Wein-Ecke kommt, war die Verkostung typisch nach Wein-Art einer Geschmacksklimax folgend aufgebaut.

Die ersten drei

Wir begannen die Verkostung mit einem mir bereits aus meinen Belgien-Besuchen bekannten Bier, das mit einer speziellen Hefe bereitet und daher ein wenig wie Brottrunk anmutend daherkommt: Mort Subite. Leichter Anklang von Säure, schlanker Körper, süßlich im Abgang – nix für den Sixpack beim Brettspielabend, wohl aber ein originelles mögliches Dessert.

Nummer 2 entstammte einer Brauershand, die sich aufgrund künstlerischer Differenzen von der später folgenden Nummer 4 losgesagt hatte und folglich eine eigene Kreation am Markt versucht zu platzieren, nämlich das Fastmoker Pils vom „Wildwuchs“. Aromatisch im Antrunk mit ner originellen Nase vorn weg, aber einem meinem Geschmack nach fürchterlichen Nachgeschmack im Mund. Für mich schlicht ungenießbar.

Als Drittes startete das Mitschnagger vom Buddle Ship – grasig, hopfig, zitronig und insgesamt so süffig und voluminös, dass es für mich das perfekte Solobier für einen Abend darstellen könnte.

Das Prototyp von der Kreativbrauerei Kehrwieder ist aufgrund seiner außergewöhnlichen Hefen Aromahopfen (Dank an @hopfenundmalz und Kathy für den Hinweis!) mit Fruchtaromen von Grapefruit bis Maracuja ein echter Hinriecher, im Geschmack kann es allerdings nicht ganz halten, was die Nase verspricht, die leichte Bitternote nach den ersten paar Sekunden im Mund ist vermutlich was für Liebhaber.

(An der Stelle machte ein Glas die Runde, das als reine Geruchsprobe im Vergleich dazu gedacht war: eine muffig anmutende, faulende Fruchtnote, die Lust auf weniger machte: ein Becks, wie sich herausstellte.)

Das nächste in der Runde war ein Alpirsbacher Zwickel, ein bananig-hefig anmutendes, naturtrübes und leichtgängiges Bier, das sich leicht trinken lässt, aber für meinen Geschmack zu flach daherkommt. Für ein Volksfest ok, für einen Genussabend zu schmalbrüstig.

Die zweite Hälfte der Verkostung fand seine Eröffnung in einem hawaiianischen Pale Ale: Kona Fire Rock, ein voluminöses, karamellig-malziges Erlebnis, das optimal in gesellige Runden passt.

Das St. Austell „Big Job„, ein dem massiven Hopfeneinsatz für lange Haltbarkeit nach benannten India Pale Ale (India deswegen, weil es den langen Reiseweg damals überleben musste), war danach so gar nichts für mich: nach anfänglichen Zitrone-Litschi-Nasenfreuden kam eine bittere Tortur, der deutliche Alkohol und eine nicht zu ermittelnde Gänsehaut verursachende Zutat. Nach dem Wildwuchs das zweite, dem ich freiwillig nie wieder meinen Gaumen schenken werde.

Nummer 8 war ein vermeintlich bekannter auf den ersten Blick: Schneider Weisse. Auf den zweiten Blick: TAP 5. Das heißt, es schmeckte deutlich anders, ungewöhnlicher, aber trotzdem interessant, wenn auch eigenwillig in seiner Kombination von Nelken, Bananen und dem opulenten Hefeteil. Dürfte ähnlich süßen Weinen zu Käse passen. Und vermutlich auch nicht jedermanns Geschmack.

Das vorletzte, Chimay Red Cap, ein Trappistenbier aus Belgien (also ein unter abtischer Leitung gebrautes Klosterbier), war ein lecker süffiges, wie es eben die Belgier hinbekommen – neben dem vergleichsweise schneidigen Mitschnagger für mich das Bier des Abends.

Zu guter Letzt fand das Gulden Draak seinen Eisatz als Abschluss der Runde. Nach dem Süffigen, aromatischen Belgier war ein noch intensiveres mit gut integriertem, aber für mich doch zu hohem Alkoholgehalt nix mehr für mich.

Finalbild

Sei’s drum: In der Runde lernten wir eine Menge über Craft Beer, die Aquisebestrebungen der Weltkonzerne InBev, Carlsber und Co. und die unterschiedlichen Vorlieben auch in der Runde. Und einen Beschluss Habenzinsen auch schon gefasst, die 12, die wir da waren: Wir sehen uns wieder in dem Setting, das nächste Mal mit den jeweiligen Lieblingsbieren der Teilnehmer und einer qualifizierten Analyse der Chefin.

Ich freu mich drauf!

Bewertungsnotizen

(Und auf die Weinverkostung in leicht anderer Besatzung an diesem Wochenende bei mir zuhause :))

Update: Die meiner nach Käse-kompatibleren Biere waren: TAP5, Kona Fire Rock und mit Einschränkung das Chimay und Mort Subite.

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Die unerträgliche Langsamkeit des Seins

Es ist Mittwoch, um 13 Uhr startet die jährliche Sitzung der Berufsschule mit ihren Kooperationspartnern, den Ausbildungsbetrieben.

Es geht um die Ausbildung von IT-Azubis. Es geht um Herausforderungen, Verbesserungsmöglichkeiten, die Situation an der Schule.

Vor zwei Jahren war ich zum ersten Mal bei so einem Treffen dabei. Kurz zuvor übernahm ich eher zufällig die inhaltliche Koordination der IT-Azubis in meiner Firma. Ich dachte, ich kümmere mich darum, den Azubis je nach Gusto und Fähigkeiten sowie den aktuell anwesenden Ausbildern ihre nächsten Einsätze zuzuschieben. Und dass das alles wäre.

Es dauerte nicht lange, und ich begriff, dass einiges verbesserungswürdig war. Die Koordination der Betriebseinsätze genauso wie die Vielfalt der vorhandenen Einsatzplätze. Die inhaltliche Strukturierung innerhalb der 3 Jahre Ausbildungszeit. Den kontinuierlichen Wandel der Organisation, der Beschäftigungsfelder und der damit verbundenen Personen und deren Veränderungen so zu begleiten, dass die Azubis trotzdem noch lernen können, was sie lernen wollen und sollen.

Als ich die Azubis nach und nach kennen lernte, erfuhr ich auch erste Bonmots aus ihrer Schulzeit. Die ist aufgeteilt in so genannte Kurzblöcke, in denen zwischen zwei und acht Wochen Wissensvermittlung angedacht sind. So weit die Theorie. Die ersten Seufzer und Abwiegelungen bezüglich der Schule tat ich als Theatralik ab. Bei den zweiten stutzte ich. Bei den folgenden bat ich, mir die Kritikpunkte in Schriftform mitzugeben, vertraulicher Umgang inklusive.

Und dann also eine Jahrestagung „Lernortkooperation“, LOK, in der Berufsschule. Die Einladung kam via papierner Post. Lange ausgedruckte Listen mit Teilnehmern. Kopierte Gesetzestexte. Eine Präsentation und Informationsvermittlung, die mich an meinen Frontalunterricht in den Achtzigern erinnerte.

Irgendwann konnte ich mit meinen Fragen ob der häufigen Ausfälle, der nicht nachvollziehbaren Anordnung von Lehrinhalten und der Deckungsungleichheit von vermitteltem und in Prüfungen abgefragtem Inhalt nicht mehr hinter dem Berg halten.

Antworten, die sich wie Teflon, Gelee oder politischer Singsang anhörten. Ich hatte Puls. Der Stimmung und dem Murmeln im Raum nach war ich nicht der Einzige, der solche Infos von seinen Azubis erhalten hatte. Als es schließlich an die angesetzte Neuwahl des Vorstands der LOK ging, tönte plötzlich mein Name als Kandidaturvorschlag durch den Saal.

Was tun? Ich nahm an. Wurde gewählt. Übernahm die Stellvertretung, im letzten Jahr de facto den Vorsitz, weil mein Vorsitzender beruflich außer Reichweite beordert wurde.

Die IT-Ausbildung ist anno 1996 als eine Gruppe neu gestalteter Berufsbilder an den Start gegangen. Ungleich zu handwerklichen Berufen, die über Jahrhunderte gewachsen sind, sind die Inhalte einer IT-Ausbildung stark veränderlich. Was ich damals im Studium lernte – 1998 bis 2001 – hat wenig bis nichts mehr mit der Technik, mit den Systemen, mit der IT-Landschaft zu tun, die heute vorherrscht.
Einzig das Berufsbild der IT-Berufe wurde inhaltlich nicht aktualisiert. Das ist eine große Baustelle. Einen aktualisierten Vorschlag zu erstellen, das begleitet die Schule gern, leiten will sie das nicht. Die Kammer sieht sich als Landesvertretung, Berufsbilder sind jedoch bundesweit einheitlich. Zur Verabschiedung einer Aktualisierung bedarf es aber wieder der Zustimmung aller Länder, da sie über die Bildung im föderalistischen System jeweils selbst entscheiden.

Die Kritikpunkte an der Qualität der beruflichen Ausbildung durch meine Azubis sind nicht weniger geworden. Die Qualität des Unterrichts steht und fällt mit dem Personal, und hier gibt es Lehrkörper, die seit Jahrzehnten ihr gewohntes Programm herunterleiern, teils mit Methoden, die auch ein Jahrhundert vorher bereits bekannt waren. Daran wird sich so schnell nichts ändern – die Attraktivität der Positionen lässt zu wünschen übrig, entsprechend gestaltet sich die Motivation Einzelner aus dem Kollegium der Schule.
Der Nachwuchs für die Lehrpositionen werden mit so engen Scheuklappen gesucht, dass mir schwindelt. Parallel dazu werden die Studiengänge, die Nachwuchs bringen können, wegen diverser Gründe womöglich eingestampft.

Der neue Direktor führt eine Aktualisierung der Lehrmethodik ein. Mehr Selbständigkeit, mehr Eigenverantwortung, weniger angeleitetes als begleitetes Lernen, mehr Freiheitsgrade, mehr Abstufung in der Komplexität der Aufgaben.
Allein, die Schulabgänger werden gefühlt immer unselbständiger. Haushalt aufrechterhalten, Tagesplanung, Verantwortlichkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Engagement… oder auch nur ne Steuererklärung, Selbstversorgung, Kochen – es hapert teils schon an den Grundlagen. Das ist keine optimale Basis dafür, mehr von alledem von den Schulabgängern zu erwarten.
Parallel dazu steht und fällt ein neues Lehrkonzept mit dem Kollegium. Und wie es darum bestellt ist, hatte ich ja schon angedeutet.

Dass aber eine IT-Schule, die unseren Azubis beibringen soll, wie professionelle IT funktioniert, eine System- und Netzwerkverfügbarkeit hat, die schlicht nicht akzeptabel ist, das ärgert mich persönlich am meisten. Unsere Azubis sollen lernen, wie professionelles Netzwerkmanagement geht und werden es auch auf absehbare Zeit nicht in der Schule erleben können. Und warum? Weil für die Verwaltung des Schulnetzwerkes von 800 Rechnern 2 Lehrkräfte in einem Teil ihrer Lehrstunden das Netzwerkmanagement meistern sollen.

Diese Zustände zu ändern – Berufsbild, schulische Ausgangslage, die Qualität des Unterrichts und seiner Organisation – braucht elendig viel Zeit. Eine für mich schier unerträgliche Langsamkeit des Seins, wenn fast jede/r, der oder die an einer Änderung mitwirken könnte, sich darauf zurückzieht, selbst ja nichts allein machen zu können.

Wir haben für unsere Azubis eine hausinterne Lösung gefunden, die Defizite zu adressieren, wie es so schön heißt. Das ist aber nur Symptombekämpfung. Azubis anderer Firmen hilft das nicht. Hier gehen Jahrgänge dringend benötigten IT-Nachwuchses sehend in eine – nett formuliert – suboptimale Ausbildung. Und das in einer Stadt, die, wie Olaf Scholz sich rühmt, IT-Stadt sei.

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KiTa – a whole new world

Morgens früh um sieben klingelt der Wecker.
Nicht, dass ich ihn gebraucht hätte. Seit vor fünf rempelt der mittlerweile vier Wochen alte Spross im elterlichen Bett so heftig, dass Papa den Auftrag zur Beruhigung gefangen hat.
Kaum ertönt allerdings der Wecker, ist das Gefühl opulenter Übermüdung trotzdem wieder präsent. Im Angesicht der optimierten Schlafzeit (stellt ihr den Wecker etwa früher als unbedingt möglich?) bleibt keine Zeit für Beschwerden über die Müdigkeit, deswegen bekommt das Bad seinen Erstbesuch bereits in weniger als zwei Minuten nach dem vermaledeiten Weckdingi.

Kind wecken. Mich graust vor der Bandbreite der Reaktionsmöglichkeiten. Kaum betrete ich den Raum, kommt: „Auf!“, das Kommando für Fenster aufmachen vom Kind. Erleichertung meinerseits. Im nach wie vor dunklen Zimmer sehe ich an den verqueren Gesichtszügen von Emmi, dass sie noch gar nicht richtig wach ist. Stört sie aber nicht. Wickeln, anziehen, runter zum Frühstück.

Das Müsli verschwindet erfreulicherweise unproblematisch im Verdauungstrakt der großen Schwester, während der kleinere Wurm – Funktionsbezeichnung Bruder – noch immer nicht umweltreaktiv ist.

Mama bereitet derweil das Frühstück für die KiTa zu, und weil wir nix wirklich wissen, so an Tag 1, bekomme ich später Hasenstullen zu essen.

Emmi wird in den Wagen verstaut, der eigentlich ein Fahrradanhänger ist. Da Papa am Wochenende viel sinnarmes, nicht aber das Anbauen der Kupplung am Fahrrad vollbracht hat, wird heute zur KiTa geschoben. (Randnotiz: Direkt nach dem Post wird geschraubt!)

Ein kurzes Lebenszeichen von unterwegs, dafür reichts grad noch.

Wir kommen an. Und weil der Papa so strukturiert am Morgen funktioniert, laufen wir zwei Meter vom Gruppenraum entfernt nochmal die ganze Strecke durch die KiTa zurück zum Wagen, um die Klamotten zu holen, die er im Wagen vergessen hat.

Die Tür geht auf, das Kind erstarrt in einer Mischung aus Neugierde, Begeisterung und Overload Error. Da sitzen drei Erzieherinnen und 6 Kinder auf dem Teppich. Spielen, singen und erzählen durcheinander. Wir gehen hinein.

Der Papa sitzt auf dem Sofa und versucht, sich so gut wie möglich aus dem Spiel herauszuhalten. Das klappt ungefähr zehn Sekunden lang. Dann kommt das erste Buchlesegesuch. Aber nicht von Emmi, die verarbeitet noch das sich ihr bietende Bild im Stillstand. Stattdessen kommt ein Junge, der mit mir ein Bilderbuch diskutiert haben möchte. Knapp 10 Sekunden später dann ein Mädchen, dass gern ebenfalls vorgelesen haben mag.

Dann erwacht auch Emmi und fordert Aufmerksamkeit ein. Die Erzieherin Maleika lernt Emmis kategorisches Nihilistenwesen kennen. („Lesen?“ – „Nein!“ „Spielen?“ – „Nein!“ – „Was möchtest du denn machen?“ – „Nein!“) Erstmal nur mit Papa.

Wie auf ein Zeichen fangen die Erzieherinnen und die Kinder an, einen Aufräumsong zu singen. Selbst Emmi hilft nach einigem Zögern mit. Das kann sie ja bereits von zuhause. (Möge es uns noch auf Dauer erhalten bleiben, dass das Kind von selbst wieder aufräumt, wenn es müde wird.) Anschließend geht es in langer Reihe Hand in Hand singend in den Waschraum. So viel Interaktion ist dann doch wieder etwas viel, wir bilden also zu zweit eine eigene Reihe und marschieren der Gruppe hinterher.

Töpfchenzeit, Wickeln, Händewaschen vorm Frühstück. Zweite Runde des Nihilismus, beim Händewaschen zieht Papa die Vetokarte und nach anfänglichem Protest gefällt es ihr sogar. (Wie auch zuhause.)

Singend zurück in den Gruppenraum: Frühstückszeit!
Es gibt Milchreis und Wasser. Ist aber total egal, weil ja alle am Tisch sitzen, ein Lätchen umbekommen und überhaupt: Emmi laviert immer noch nahe am Overflow. Den Milchreis darf Papa aufessen, nachdem Emmi ihn für probier-, aber nicht verzehrbar hält. Und dann, im Eifer des Gefechts: Der von der Erzieherin angeboten Apfel wird nicht abgelehnt. Der Nihilismus gerät ins Wanken!
Der Pfannekuchen (Eierkuchen oder wie auch sonst ihr das Ding nennen wollt) wird wieder über den Normweg (Von der Erzieherin: „Nein!“, von Papa: *Mampfgeräusche*) bezogen.
Lappen für alle, einige Kinder mit mittelalterlicher Grazie bei Einfahren der Mahlzeit brauchen mehr als einen. Eigensäuberung.

Und weiter mit dem Spielen. Die Erzieherinnen und ich sind uns einig: Das war bisher gar nicht sooo übel. Morgen wieder.

Frage an Emmi: „Wollen wir nach Hause?“ – „Nein!“
Zweite Frage: „Möchtest du hier bleiben und weiterspielen?“ – „Ja!“.

OK, zwei Minuten Pause, zweiter Versuch. Gleiches Resultat.
Wir beschließen, den für Mittwoch angesetzten Eskalationsversuch (Papa verlässt den Raum) vorzuziehen. Die gleichen Fragen von der Tür aus. Gleiche Antworten. „Dann geht Papa jetzt allein, ja?“ – „Ja!“.

Alles klar.

Das Ganze hält fünf Minuten. Dann Sirene aus dem Nichts, schnell nachsehen, ob Papa noch da ist. Und ab dafür.

——-

Das war Tag Eins. Der Mittagsschlaf endete ebenso abrupt wie zu früh in der gleichen Tonalität wie der erste Tag in der KiTa, aber auf Nachfrage nach dem Beruhigungskuscheln war schon wieder der Wille zum neuerlichen Spielen mit den Kindern da.

Wohlan denn!

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Moin!

Die Wehenabstände meiner Frau werden seit Tagen kürzer. Aktuell sind sie so um die 5 Minuten, es ist Samstag, der 13. September 2014, und wir sind gerade mal wieder auf einen Spaziergang der Klassikerroute „Dahoam – Eisdiele – Spielplatz – Dahoam“.
Wir sind bei „40+3“, drei Tage über dem errechneten Entbindungstermin, ich habe meine erste Woche Urlaub hinter mir. Den habe ich bisher damit verbracht, Möbel aufzubauen, mit unserer bald Zweijährigen mehrmals am Tag für einige Stunden die Sonne draußen zu genießen und finale Aufräumarbeiten des Nestbautriebs abzuschließen.
Emmi, die bald große Schwester, ist – gleich dem Wetter – ein einziger Sonnenschein. Anne, die Frau mit dem Bauch, ist entspannt und ebenso wie ich voll der Vorfreude.
Am Abend beschließen wir, bereits um 9 ins Bett zu gehen. Bisher lief alles vergleichsweise langsam an, und so ich hoffe auf eine weitere Nacht mit Schlaf „wie immer“.

Bis um ein Uhr in der Früh ist dem auch so. Dann wache ich, sanft von Anne geweckt, auf, sie könne nicht mehr schlafen, weil die Wehen inzwischen sehr regelmäßig sind.

Nach kurzem Abwägen, ob wir der auf Abruf lauernden Freundin zwei Häuser weiter oder meinen 200km entfernt lebenden Eltern Bescheid geben, entscheiden wir uns für letzteres. Wir haben zwar keine Ahnung, wie lang es tatsächlich noch dauern könnte (Emmi ist ja eingeleitet worden), aber das ist auch egal – Oma und Opa sind für Emmi so lang da, wie es sie eben braucht.

Es klingelt kaum bei Oma, da hebt sie auch schon ab. Seit zwei Wochen schlafen Anne und ich besser als die nähere Familie und einige Freunde.
Während wir auf die Großeltern warten, essen wir in Ruhe einen Snack, Anne veratmet in Seelenruhe die Wehen und ich bin trotz der Aussicht auf die in absehbarer Zeit bevorstehende Geburt so tiefenentspannt, wie es eben geht. Weltfrieden in Emotionen gegossen, quasi.

Halb vier Uhr morgens treffen die aufgeregten Großeltern ein. Zuerst sind sie erstaunt über meine Ruhe (ich bin gerade dabei, mir eine Grapefruit aufzuschneiden), dann noch erstaunter über ihre Schwiegertochter, die lächelnd von der Couch grüßt.

Umso erstaunter sind sie, als ich ihnen empfehle, direkt ins Bett zu gehen. Emmi wird aber vermutlich keine Rücksicht auf fehlenden Schlaf nehmen.

Eine Grapefruit und ein Heublumendampfbad später rufe ich den von dem Kreißsaal ausgelobten „Babytaxi-Service“, die 19222, an. Vielleicht hätte auch jemand der Wochenend-Nachtschicht über diesen Service unterrichten sollen, jedenfalls war der gute Mann am anderen Ende der Leitung „nicht zuständig!“, weil unser Anruf um vier Uhr wohl in Hamburg rauskam. Letzteres fängt ja nun erst fünfzig Meter hinter unserem Haus an, weswegen er mich zur zentralen Leitstelle durchstellt.
Die Leitstelle ist aber nun die 112, der Herr am anderen Ende sagt allerdings von sich aus, dass die Schwangere ja nun irgendwie ins Krankenhaus müsste, führe kein Weg dran vorbei – er schicke einen Wagen.
Fertig, aufgelegt.

Ich bin unverändert ruhig. Ziel erreicht, normal wäre ich jetzt im Erregungsmodus. Ein bewusster Automatikmodus, endorphinlastig, trotzdem faktisch, ruhig und zielorientiert.

Als nächstes ruft Anne im Kreißsaal an, fängt während des Telefonats an zu lächeln und meint, sie kenne die Hebamme bereits vom Namen her: Die Nachsorgehebamme einer guten Freundin, Anna. Kurz drauf fährt der Rettungswagen vor.

Fun Fact: Die Jungs vom Rettungsdienst kannten wir bereits – das war schon ihr dritter Besuch bei uns (von drei Malen, die wir einen Krankenwagen brauchten), diesmal mit erfreulichem Anlass.

Ankunft in der Asklepios Klinik Hamburg-Harburg: kurz vor fünf. Anna, die Hebamme, ist tatsächlich ein Herz von Mensch und als sie bei der Aufnahmeuntersuchung eröffnet, der Muttermund sei bereits 8cm weit offen, bahnen sich sowohl bei Anne als auch bei mir die Emotionen ihren Weg in Form von Tränen.
Tränen des Glücks, weil besonders der Vergleich zur ersten Geburt – eingeleitet, schmerzhafte Eröffnung mit Wehencocktail und Prostaglandinen über mehr als einen Tag mit dem Ergebnis eines vier Zentimeter geöffneten Muttermunds – bis hierhin alles so entspannt und vollkommen komplikationslos verlief.

Damit das alles noch etwas runder läuft, ist auch sonst nix los, die Geburtswanne ist frei und damit auch der Weg zur von Anne erträumten hebammengeleiteten Wassergeburt nichts im Weg. Wie lang es tatsächlich dauert, weiß ich natürlich genauso wenig wie Anne. Emmis Geburt war getaktet vom Wehentropf, jetzt sollte alles natürlich verlaufen.
Die warme Wanne schraubt Annes Wasserverbrauch in die Höhe (Trink- wie Badewasser, letzteres, weil ein Handtuch notgedrungen den abhanden gekommenen Stöpsel ersetzen muss), ich sitze zufrieden mit einem Kaffee, einer Mate und einem nassen Arm (vom Provisoriumsstöpsel-Reindrücken) neben der Wanne und Anne atmet weiter die Wehen weg, als wenn es den Ortswechsel von der heimischen Couch in die Geburtswanne nicht gegeben hätte.

Die CTG-Nubsies werden von der Wachablösung halb sieben angebaut, nach einigem Suchen bereits ziemlich weit unten; Magda kümmert sich auch gleich um das Familienzimmer und meinen Kaffeenachschub, lediglich das Frühstück für die mittlerweile ziemlich hungrige Anne verzögert sich.

Nach dem Blick auf’s Bild des CTG der letzten halben Stunde schlagen die beiden Hebammen vor, die Fruchtblase zu öffnen, da der Puls des Kindes unter den Wehen von 130 auf 120 absinkt und auch sonst das Kind sehr ruhig ist.

Annes Hilfe suchender, stummer Blick in meine Richtung spricht Bände.

Wir haben das vor der Geburt besprochen: Was passiert, wenn etwas nicht so läuft, wie Anne sich das wünscht? Was genau wünscht sie sich eigentlich? Wie verhalte ich mich in so einer Situation?

Ich spüre Adrenalin, einen Stich im Herzen ob Annes Blick und reagiere prompt: Die Hebammen sollen mir genau erklären, was Basis ihrer Annahme ist, das Kind könne unterversorgt sein. Woran dies typischerweise festgemacht wird. Was ein derartiger CTG-Verlauf für eine solche Zeitspanne wie bei uns denn konkret bedeute. Was im Falle des Nichteingreifens passieren könne. Mit welcher Eintrittswahrscheinlichkeit. Innerhalb welcher Zeit jetzt eine Entscheidung getroffen werden müsse, um ernsthafte Konsequenzen für das Kind zu vermeiden.

Anne und mir ist vorab klar gewesen, dass bei eindeutiger medizinischer Indikation ein Eingriff notwendig werden könnte. Klar war uns allerdings auch, dass derartige Fragen eine Verzögerung des Eingriffs ermöglichen würden.

Und manchmal ist das alles, was es braucht.

Die Werte des Kindes auf dem CTG-Schreiber werden lebendiger. Annes Atmen wird intensiver. Zwei Wehen später platzt die Fruchtblase von selbst, so intensiv, dass Anne sich erschrickt und fast einen Anflug von Panik erleidet. Ich bin bei ihr, streiche ihr über den Kopf, schaffe es, sie wieder zu beruhigen. (Später erzählt sie mir, dass sie kurz dachte, sie würde explodieren, so stark sei der Druck gewesen, daher auch der Anflug von Panik.)

Schon in der nächsten Wehe ist der Kopf zu sehen. Haare, viele schwarze Haare, wie schon bei der bald großen Schwester vor knapp zwei Jahren. Anne fühlt danach, ich sehe es, wir strahlen uns beide an, die Hebammen sind überrascht aber zufrieden über den jetzt doch zügigen Fortschritt im Geburtsverlauf.

Eine Wehe später: Der Kopf ist da.

Noch eine Wehe später, sechs Minuten nach halb acht an diesem Sonntagmorgen: Das Kind ist da.

Direkt wandert das Kind auf und an Mamas Brust. Drinnen schlägt ein überwältigtes Mutterherz, einen halben Meter daneben ein ebenso bewegtes vom Vater.

Noch eine Minute später fällt den Hebammen beim Formularschreiben und uns dann auch auf, dass da ja noch eine Unklarheit war, und wir schauen fix nach: Ein kleiner Pullermann in Hüfthöhe komplettiert das kitschig-konservative Familienbild, das wir so wenig leben.

Quietschfidel, kerngesund, direkt nach der Brust suchend löst der kleine neue Erdenbürger eine solche Unmenge an positiven Hormonismen in mir aus, dass ich wieder die Schwelle des Wassers überschreite.

Dann fragt die Hebamme nach dem Namen des (Stunden gemeinsamer Ruhe später gemessenen) 3410g-55cm-36cmKU-Pakets: Adrian Michael soll er heißen.

Den ersten Vornamen bekommt er von uns. Den zweiten von seinem mit 19 Jahren an Krebs verstorbenen Onkel, dem er so ähnlich sieht. Und wieder Wasser.

Meine Begrüßung, die ich mir vorher zurechtgelegt hatte (Ein Klassiker aus dem Hause Sarkasmus: „Schnell ne Form, sonst wird’s n Schwein!“), ersäuft im Meer der tränenfeuchten Glücksgefühle und alles, was ich über die Lippen bringe, während ich bewegt seinen Kopf streichele ist

„Moin!“.

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Eine von mehr als 6000 re:publicas – Teil 4/4

Bald drei Wochen ist es her, dass die re:publica 2014 ihr Ende im klassischen Bohemian Rhapsody fand. Zeit genug, um rückblickend zu schauen, ob und wenn ja was davon so prominent im Gedächtnis und in den Gefühlen blieb, dass es Auswirkungen auf das tägliche Handeln hat.

Doch bevor ich dazu komme, möchte ich noch die Zusammenfassung meines vierten Tages in Berlin, dem Tag 3 der #rp14 niederschreiben. Als Erinnerung, als Basis für Gespräche, als Reminiszenz an die Menschen, mit denen ich die Zeit in Berlin verbrachte.

Nach knapp fünf Stunden, inzwischen sichtlich gezeichnet vom Mangel an Schlaf, trudelte ich – diesmal mit akzeptablem Zeitrahmen und zwei Kaffee bewaffnet – in Klein Hamburg ein, um das Frühstück mit Ina und dem Gesangswunder Jenny einzunehmen.
Mit moderater Verzögerung und genügend Energie für das anstehende Programm eröffnete ich den Reigen der besuchten Sessions mit „#idpet – Wenn Partizipation und Grundrechte kollidieren.“ Reichlich Triggermaterial, ging es doch um den Missbrauch von Online-Petitionen zur Stimmungsmache gegen Minderheiten, bei dem das Recht auf freie Meinungsäußerung als Deckmantel für Hatespeech erster Güteklasse herhält.

Die Beispiele auf den Folien sprechen für sich. Empfindliche Gemüter sollten das Anschauen unter Umständen eventuell meiden.

Nach einigem Hin und Her in Bezug auf die Räume und Zeitslots durfte ich eine mir bis dato nur aus Twitter bekannten Person lauschen: Wibke Ladwig.

Der von ihr ausgerufene Hashtag #ponyhofgate sollte im Anschluss reichlich Verwendung finden, war doch die Stage 2 quasi bis auf den letzten Sitz gefüllt.

ponyhofgate

Ihre lebendige, frohe Art, ihr unbeschwerter Wortwitz und die positive Ausstrahlung sprangen direkt über – für mich ein ❤ -Mensch auf den ersten Blick. (Selten wurde mir so schnell klar, warum meine Filterbubble auf Twitter so große Stücke auf jemanden hält.) Nächstes Jahr, liebe Wibke, mag ich dich bitte persönlich kennenlernen! 🙂
Ich kann euch nur empfehlen, den Vortrag in voller Länge zu genießen.

Euphorisiert von der Session wechselte ich zu Laura Dornheim und ihrem Beitrag über die „Todessternsünden“ – einem Parallelvergleich der biblischen Todsünden mit ihren neuzeitlichen Adäquatismen aus der Netzwelt.

Informativ, und am Ende süß, als beim Angebot der „Sündenvergebung“ Lauras Schwester Lena sich zu ihrem Neid bekannte. 🙂

Da ich an Tag 1 bereits gelernt hatte, meine Sessionplanung im Zweifelsfall besser zu ignorieren, setzte ich mich herzlich uninformiert in „I predict a riot!“ von Hannah Fry. Ich sollte das öfter so machen.

Der Vortrag war zwar als „für Fortgeschrittene“ markiert, tatsächlich atmeten einige Besucher schwer, als Hannah beim Aufzeigen der Ähnlichkeiten von Krankheitsverbreitungen und der Ausbreitung der „London riots“ mal eben ein paar voluminösere mathematische Formeln auf die Leinwand zauberte. Für mehr Beiträge mit derart Tiefgang in der Zukunft! ❤

Der Tag wurde noch besser: Felix Schwenzel und sein Vortrag „Wie ich lernte, die Überwachung zu lieben“ hatten die Gnade der späten Verplanung nahe am Ende der re:publica – so konnte er auf Äußerungen und Diskussionen der letzten zwei Tage bereits eingehen und nahm das direkt in seine Session auf.

Unvergessen sein Vergleich, den er für die Herstellung eines Öffentlichkeitsinteresses vornahm: Der Vorschlag, der NSA-Untersuchungsausschuss möge Edward Snowden in Deutschland befragen und gerade wegen der Androhung des juristischen Gutachtens, dass die Bundesregierung(!) ungefragt und unbeauftragt an die Mitglieder des UA verteilte – in dem es heißt, dass sich strafbar mache, wer Informationen von Snowden annehme) – in die USA reisen und sich bei der Einreise geschlossen verhaften lassen.

Das wären Bilder.

Kein tl;ds. Ansehen. Inklusive toller letzter Folie.

Schließlich entschied ich mich, begeistert über die unverhofften Inspirationen der spontan besuchten Sessions, auch für die letzte Veranstaltung gegen meine ursprüngliche Planung, die mich zu Eva und dem „Entlieben in Zeiten des Internets„geführt hätte.
Stattdessen widmete ich „The Amish Futurist and the power of buttermilk“.

Die beste Session der re:publica, aufgespart auf den letzten Slot. Eine andere Perspektive einzunehmen, so anders als das, was mein Leben ausmacht. Eine, die hinterfragt, ohne zu verurteilen.

Es mag etwas heißen, wenn ich während einer Stunde voll von begeisternden Eindrücken des bisherigen Tages das Twittern komplett einstelle und nur eines bekunde:

Um ehrlich zu sein: Ich war beim „Goodbye“, ich sang die Bohemian Rhapsody, ich freute mich, verabschiedete mich – aber in meinem Kopf kreiste der Gedanke um die unaufgeregte, unaufdringliche und vielleicht gerade deswegen so wirkungsvolle Art des Hinterfragens der letzten Session. Und auch heute, knapp drei Wochen später, kann ich dieses Gefühl wieder abrufen, wie auf Knopfdruck, ich brauche das Video nicht mal zu sehen. Daran zu denken reicht.

Mein Abschied war kurz: Ein fixes Abschiedsbier mit Nathan, Julia, Scotty und caha42 und ein kurzes Wahrnehmen des LinuxTags, der parallel am Donnerstag begonnen hatte. Ich stand noch immer neben mir. Aber zumindest funktionierte ich insoweit, als dass ich den meiner Gastgeberin versprochenen Abend nicht verpeilte.

Gegen halb neun in Neukölln angekommen, machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant, um uns endlich auszutauschen – schließlich hatten wir uns bereits ein Dreiviertel Jahr nicht mehr gesehen und gesprochen, von den 5 Minuten in der Nacht meiner Berliner Ankunft mal abgesehen.
Ein kleiner, einfacher, ehrlicher und sympathischer Italiener bot uns Ruhe, Essen und ein umfassendes 4-Gänge-Menü in dreieinhalb Stunden wundervollen Miteinanders.

Rebekka

Danke, meine Süße. ❤ Ich freu mich auf euren Gegenbesuch in Hamburg!

Das Ergebnis des wunderbaren, ausgiebigen Erzählens war abzusehen: Knapp fünf Stunden Schlaf.

Der finale Kaffee, melancholisch-zuversichtlicher Abschied in der klassischen Post:publica-Depression, spricht für sich

Was bleibt?
Zuerst einmal das Bewusstsein, dass etwas „Klick“ gemacht hat. Ich habe Energie, ohne dass ich recht beschreiben kann, woher ich sie nehme. Zuversicht, dass sich der Kampf für Freiheit, sei es im Netz für dessen Neutralität, für mehr Gleichberechtigung, für eine Transparenz der unsäglichen Machenschaften unserer Regierung im Umgang mit dem NSA-Skandal, und für eine dem Menschen dienende Wirtschaft statt der Wirtschaft dienenden Menschen lohnt.

Die Missed Sessions: Zu viele. Dazu gehören besonders: „Burnout & Broken Comment Culture„, „Wikileaks, Manning & Snowden„, „Zahnbürste oder Longboard!„, aber auch „Into the wild – nicht mit mir!„, „Catch me if you can – Ephemere Profile und flüchtige Accounts“ und „Wildnis in der Wildnis: Digitaler Aufbruch an unseren Schulen“ (Links Youtube).
Und weil’s kein Lammsbräu gab, besorgte ich kurzerhand welches, um mit der Schuldigen anzustoßen, die mich zu meiner ersten re:publica 2013 überredete: der lieben Textzicke.

Eine sehr konkrete und sichtbare Konsequenz der re:publica 2014 wird es auch geben: Mit Sandra werde ich – frei nach Lobos tatsächlich konstruktiver Idee zur Verbesserung der Sichtbarkeit – in Hamburg unsere Bundestagsabgeordnete besuchen. Und nicht nur das: Wir werden darüber berichten und ein Blockstöckchen eröffnen, um dies in unseren Kreisen zu erweitern. Lässt uns ihnen deutlich machen, was wir von der aktuellen Politik unserer Regierung halten!

Ich danke darüber hinaus all denen, die als Bekannte, alte und neue Freunde und <3-Menschen die #rp14 zu dem für mich machten, was sie war und ist: unvergesslich.
Danke Anke, Ina, Jenny, Peter (obwohl er gar nicht auf der re:publica selbst war), Julia, Nathan, Daniel, Steffi, Mama Notes, Andreas, Su, Michaela, Petra, Christiane, Debbie, Andrea, der Andrea ihr Daniel, Piri, Zicki, Kati, Rebekka, Torsten, Max, Mirko, Torsten, Sandra. (Und ich hab garantiert Gedächtnislücken.)

Und neben all denjenigen, mit denen ich Zeit verbringen konnte, gibt es auch die, die ich leider persönlich verpasst hab:
Gianna, Anne, dat Küstenkind, und Nele. Was nicht ist, kann ja noch werden. 😉

Bleibt nur noch eines zu sagen: Du hast gefehlt, Special Herzgast all the time: Unsere Schnips. ❤

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TTIP im Kleinen: Schriftwechsel mit einem Bekannten

„Hallo *,

mit Schrecken habe ich von Eva* vernommen, dass McDonalds kein Gen-freies Hähnchenfleisch mehr anbieten will oder besser gesagt kann. Dabei wird von den Medien die Preisfrage in den Vordergrund gestellt. Das muss man wahrscheinlich relativieren. Denn meine Recherchen haben ergeben dass der Geflügelverband aus dem Gentechnikmoratorium ausgestiegen ist – weil die Bedingungen für Gentechnik-freie Futtermittel angeblich nicht einzuhalten sind. Probleme gibt es vor allem durch Kreuzkontamination und die Reinigung der Maschinen, Lager und Transportmittel. In wie weit Demeter und Co. dem etwas auf Dauer entgegensetzen können, ist fraglich.  Damit sind  – ausser bei selbst erzeugten Geflügelprodukten a la Schmidt*[uns beiden bekannte Familie] – wohl bald keine gentechnikfreien Eier oder Geflügelfleischwaren auf dem deutschen Markt erhältlich. Das Biosiegel für solche Waren wird dann wohl auch bald der Vergangenheit angehören. Ich habe schon festgestellt, dass es bei Lidl eine Knappheit bei Bioeiern gibt – fast immer vergriffen. Wir haben leider keine Möglichkeit an selbsterzeugte Eier zu kommen. Ob andere Fleischwaren davon auf Dauer ausgenommen bleiben, wage ich zu bezweifeln, selbst Veganer werden dann Probleme haben, wenn Sie ihr Gemüse und Obst nicht fern aller anderen Landwirtschaft selbst erzeugen. Die Bienchen und der Wind können die Pollen nicht sortieren, wenn sie einmal in Verkehr gebracht wurden und das wurden sie bereits nicht nur in Brasilien, sondern auch in Deutschland.
Angehängt die Erklärung der Deutschen Geflügelwirtschaft. Sie kriegen uns auch ohne Freihandelsabkommen …

Liebe Grüße

Adam*“

Meine Antwort darauf:

„Lieber Adam,

ich danke dir für deine Mail.
McDonalds bietet keine gentechnikfreien Geflügelprodukte an. Stimmt.
Das ist auf der einen Seite verständlich, weil bei den Abnahmemengen und der Vielzahl an Lieferanten, die sich bei einem derartigen Franchise-Betrieb zwangsweise ergeben, eine entsprechende Belieferung nach einer solchen Mitteilung des Bundesverbandes der Geflügelwirtschaft gentechnikfrei aufrecht zu erhalten. Auf der anderen Seite hat McDonalds eine Marktmacht, die – bei entsprechendem Willen – auch einen entsprechenden Druck aufbauen können.
Letztlich ist es eine Frage der Preisgestaltung – natürlich lassen sich gentechnikfreie Produkte auch in Masse sicherstellen, wen man bereit ist, den entsprechenden Preis dafür zu zahlen.

Letztlich stehen in der Futtermittelwirtschaft – im Gegensatz zur Lebensmittelwirtschaft – knallharte Überlebenskämpfe der Erzeuger im großen Rahmen auf der Alltagsordnung. Da es keinerlei direkte Beziehungen zum Verbrauchermarkt gibt, gibt es entsprechend auch wenig Alternativen. Und wenn’s in gesättigten Märkten der Produkte, die damit gefüttert werden sollen, um Konkurrenzfähigkeit geht, ist Stand heute die Wunderwaffe der ersten Wahl noch immer – der Preis.

Das gilt im Speziellen für den deutschen und den amerikanischen Markt; die Italiener, Spanier aber auch die Franzosen ziehen langsam nach.
Interessanterweise sind gerade Länder mit entsprechendem Bildungsstand und den dazugehörigen Bildungsinvestitionen diejenigen, in denen zum Beispiel die transparenteren Kennzeichnungspflichten herrschen (vorzugsweise die skandinavischen, siehe z.B. Dänemark [Hygieneampel]).

Lebensmittel kosten dort mehr, Discounter haben traditionell einen schweren Stand (nicht umsonst ist Lidl Norwegen nach mehreren Jahren Betrieb wieder aufgegeben worden) und die Kontrollen und Transparenzregeln sind rigoroser. Es geht – auch auf Seiten der Firmen – wenn man nur will.

Da auf Gewinnmaximierung orientierte juristische Personen (sprich: Firmen) weder Moral noch Ethik als Geschäftsziele definieren (von wenigen Ausnahmen abgesehen), ist auf eine Freiwilligkeit bei Veränderungen nicht zu hoffen. Dass lobbyistisch durchsetzte Politiknetzwerke schwerlich Veränderungen vorantreiben, ist ebenfalls absehbar. Geflügelverbände, die von aktiven CDU-Mitgliedern und ehemaligen schwarzen Landwirtschaftsministern [korrekter ist: Staatssekretären in schwarzen Landwirtschaftsministerien] geführt werden, sind auch nicht gerade diejenigen, auf die man Hoffnungen setzen muss. Da geht’s nicht ums Wohlergehen der Kunden oder gar der Tiere, da geht’s um Rendite.

Es liegt – wie meistens – am Verbraucher. Kleine, lokale Erzeuger mit transparenter Lieferkette, unverarbeitete Lebensmittel, Vermeidung von werbungsindizierten Impulskäufen – es ist eine konstante Züchtigung des inneren Schweinehunds, die das erfordert. Und damit etwas, was durch die mangelnde Vermittlung von grundsätzlichen Werten vorsätzlich gemindert wird, um das System der Wirtschaft nicht zu gefährden.

Es ist und bleibt damit Aufgabe des Einzelnen, sich dem zu entziehen. Aufgeben ist keine Option.

Liebe Grüße,
Steffen“

Foto: Emma Rothaar / flickr.com / CC BY-NC-ND 2.0
Foto: Emma Rothaar / flickr.com / CC BY-NC-ND 2.0

*Namen geändert

 

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