Das Blog ist tot. Es lebe das Blog!

Liebe Liebenden,

seit meinem ersten Post hier ist einige Zeit vergangen. Seit meinem letzten ebenso.
Das Bloggen habe ich deswegen aber noch nicht aufgegeben… lediglich ein wenig thematisch verlagert.

Das is alles nur ne Phase!

Seit zweieinhalb Jahren weiß ich, dass ich dummes Schwein vorher jeden Tag in meinem Leben hätte ausschlafen sollen. Das mit der Zufriedenheit ist so ne Sache: Klar lieb ich diese biologischen Sidekicks von mir und der Holden, aber nerven tun die Dinger trotzdem. Und weil sie das so umfassend und herzzerreißend schön können, zwingen sie mir in den nächsten Jahren ne Brille auf die Nase, die ich bis vor kurzem noch nicht bereit war aufzusetzen:

Ich.Bin.Ein.Vater.

So simpel die Erkenntnis, so umfassend die Auswirkungen. Seit ich „Papa Pelz“ in Digitalform ins Leben rief, merke ich, wie sehr ich bisher diese Seite meines Ichs zu Gunsten des Teilzeitpazifisten zurückgestellt hab. Das TV-Gerät geht demnächst an die Altvorderen, braucht hier keiner mehr. Und nach grad mal zwei Monaten hat mein ’neues Ich‘ mehr erlebt als dieses mäßig gepflegte Stiefkind hier. So sehr ich es auch liebe.

In Hamburg sagt man Tschüß!

Ich wohn zwar seit Dezember 2011 nicht mehr in Hamburg, aber wenn da drüben 50 Meter weiter einer brüllt, krieg ich das hier mit. Destowegen sag ich das genauso:

Es war schön mit euch. Und weg bin ich auch nicht, ja nicht mal wer anders: Nur eben nicht mehr hier. (An all die treuen Abonnenten: Ich schreib sogar öfter da drüben.😉 )

Das Blog ist tot. Es lebe das Blog!

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Liebe in Zeiten des Internets

…aus dem ‚Gesendet‘-Ordner:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

nach dem Telefonat mit Fr. Mustermann* vom 09.04.2015 über Ihre Hotline 0800
330 1000 bzgl. der von mir nicht authorisierten Frei- und Weitergabe
meiner persönlichen Daten im Rahmen der Rücknahme meiner Kündigung
unseres Geschäftsverhältnisses beantrage ich hiermit Auskunft nach
BDSG §6 bzgl folgender Punkte:

– Grund der widerrechtlichen Weitergabe meiner persönlichen Daten an Dritte
– vollständiger Umfang der bei Ihnen von mir gespeicherten Daten
– Benennung aller Parteien, die meine persönlichen Daten erhalten haben
– Benennung des vollständigen Umfangs der weitergegebenen persönlichen Daten

binnen 14 Tagen.

Ferner bitte ich um Bestätigung des Empfangs dieses Schreibens binnen
5 Werktagen und um die Veranlassung der unmittelbaren Löschung meiner
personenbezogenen Daten, die unbefugt an Dritte weitergegeben wurden
sowie Ihrerseits die Sicherstellung, dass meine persönlichen Daten
durch Dritte, die durch Sie an meine persönlichen Daten gelangt sind,
nicht erneut weitergegeben werden und auch dort vollständig gelöscht
werden, binnen 4 Wochen.

Mit freundlichen Grüßen,
Teilzeitpazifist*“

*Namen von der Redaktion geändert😉

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Die Deutsche Bahn verkauft Tickets, mit denen niemand fahren kann, sieht aber keinen Handlungsbedarf.

Flexibel wie Krupp-Stahl, Kundenorientierung wie das Gewerbeaufsichtsamt: Die Bahn kommt*!

*nicht in Schwung

I can gather all the news on the weather-report.

Neulich wollte mein Freund ein Bahnticket online kaufen. Das ging aber nicht so einfach, weil er für das Lastschriftverfahren noch nicht verifiziert war und die Bezahlung mit Kreditkarte Gebühren kostet.
Also dachte ich, hey, bei dir ist das Lastschriftverfahren doch möglich, kaufste ihm mal das Ticket.
Kann ja nicht so schwer sein.
Im Buchungsprozess tauchte dann nirgends die Option auf, das Ticket für jemand anderes zu kaufen als mich als Inhabern des Accounts. Aus Verzweiflung hab ich dann irgendwann in meinem Profil wenigstens seine BahnCard 25-Nr. eingegeben statt meiner. Kurz bevor ich das Ticket bezahlt habe, das sowieso nicht gültig gewesen wäre, habe ich dann verstanden, dass im Buchungsprozess der Punkt „Ticket & Optionen“ vom System mal eben übersprungen wurde. Also habe ich nach ungefähr 30 Minuten hin und her endlich ein Ticket für jemand anderen buchen können.

Zwei Wochen später (was jetzt zwei Wochen her ist) kaufte ich ein…

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„Seid bereit – immer bereit!“

Ich mag die MamaNotes ja persönlich ebenso wie auf ihrem Blog, weswegen ich ihrem Aufruf gerne folge, etwas aus meiner Vergangenheit zu schildern.In diesem Post soll es um meine Sicht gehen. Der nächste wird ein Interview – mit der Frau, die das Mamasein in der DDR direkt erlebt hat – meine Mutter, Jahrgang 1951, Vollblut-DDR-Gewächs.

Zu mir

Ich bin ein Wossi, nix halbes, nix ganzes. 1977 geboren, ab 1998 „im Westen“ lebend. Ich war ich bereits 12 Jahre alt, als die DDR für mich ziemlich überraschend die Grenzen öffnete. Ich erinnere mich noch gut daran, dass die Berichterstattung zum „40. Jahrestag der Republik“ seltsam distanziert war; die Proteste, über die so gut wie nichts in der Pampa, aus der ich komme, zu erfahren war, habe ich überhaupt nicht mehr in Erinnerung. Und bis zum Tag drauf, an dem wir mit der gesamten Familie mit einem Bus 15km bis über die Grenze fuhren, war mein Leben ein schönes.

Ich wuchs in Salzwedel auf, einem kleinen Nest unweit der deutsch-deutschen Grenze. Ich liebe meine Kindergärtnerin innig, sie war so etwas wie meine zweite Mutter; selbst am Wochenende besuchte ich sie bei sich zuhause, weil sie unweit von uns im klassischen DDR-Plattenbau wohnte. Für mich war diese Art zu wohnen, den ganzen Tag in der KiTa zu verbringen und rund um die Plattenbauten herum zu spielen, etwas völlig normales.

Als ich in die Schule kam, änderte sich das Leben etwas – da die Schule quasi 70m von unserer neuen (ebenfalls Plattenbau-)Wohnung im 5. Stock entfernt war, konnte ich um 6:45 das Haus verlassen, und trotzdem rechtzeitig 10 vor 7 das Schultor passieren. Unvergessen der Graus davor, aufgeschrieben zu werden (von Schülern höherer Jahrgänge), weil man nicht 10 Minuten vor Unterrichtsbeginn – 7 Uhr – auf dem Schulgelände angekommen war.

Vom ersten Tag an wurde man in die Pionierorganisation integriert, musste Montags zum Fahnenappell mit Pionierhemd/-bluse und Halstuch in der großen Pause auf dem Platz stehen. Bis zur 7. Klasse musste man dann „Immer bereit!“ brüllen, wenn von vorn „Seid bereit!“ ertönte, die „Großen“ brüllten „Freundschaft!“ in ihren blauen Hemden der Freien Deutschen Jugend, der FDJ.
Was genau dann von vorn vorgetragen wurde, war so gähnend langweilig, dass ich mich nicht mehr daran erinnere, wohl jedoch an das beständige Zischen der Klassenlehrerin, wir mögen doch bitte ruhig sein.

In der Schule sollte jeder im Gruppenrat der Klasse mal ein „Amt“ übernehmen. Ich spielte lieblos den „Agitator“, also das arme Schwein, dass die Wandzeitung aktuell halten durfte. Immer mal wieder aktuelle Zeitungsschnipsel dranbappen, wenn die Pionierorganisation wieder eine Planübererfüllung vermelden konnte.

Was ich geliebt habe, waren die Sommer im Ferienlager – jedes Jahr konnte ich, seit ich 9 war, für zwei Wochen in den Sommerferien in einen Urlaub nur mit Kindern, betreut von jungen Erwachsenen. Unvergessen, wie wir – ich wurde 4 Tage später 9 – im Ferienlager mit den „Erziehern“ ein selbstorganisiertes Kino genießen konnten. Noch unvergessener, was für einen Film sie besorgten hatten: „Blood Sport“ in der ungeschnittenen Version. Wir mussten bei unserem Leben schwören, dass wir die Schnauze hielten, dafür durften wir ihn mit sehen. Was haben wir uns bolle stolz und erwachsen gefühlt!
Rübeland im Harz mit seinen Tropfsteinhöhlen. Ein Zeltlager nahe Schwerin an der Mecklenburger Seenplatte. Ostsee. Nochmal Rübeland, mit 12 – eine tolle Zeit. Kein politischer Schnickschnack, Kindheit und Spannung pur.

Unvergessen

1. Wir sind mit einem LKW-Bus-Hybriden aufs Feld gefahren, um Kartoffeln zu lesen, die mit der Maschine nicht mitgenommen wurden. Im kompletten Klassenverband der Schule.

2. Der Besuch in der Kaserne der NVA: Gesangsprogramm, Führung übers Gelände, Interesse der Soldaten an den Jungs, wofür sie sich interessierten. Was ich damals erstaunlich fand: Die interessierten sich ehrlich dafür. Das kannte ich von zuhause gar nicht. (Das ist aber eine andere Geschichte. Später.)

3. Der Besuch in der Kaserne der Russen: Gleiches Programm, um Welten rustikaler. Und weil auch das Gestikulieren mit Händen und Füßen der Klassenlehrerin nicht reichte, um sich zu verständigen, führten sie uns schließlich in die Waffenkammer und drückten uns die wahnsinnig schweren Kalaschnikows in die Hand. DAS war beeindruckend, wenngleich auch damals schon extrem creepy.

4. Subbotnik – Aufräumtag in der Schule. Rabatten von Unkraut reinigen, Hof fegen, Fenster putzen. Was hab ich das gehasst.

5. Ich bin mehrfach zum Grenzbalken gefahren. Direkt vorm Schlagbaum stand ich, dahinter begann die Sperrzone, die nur noch mit Passierschein erreichbar war. Und dahinter war „das andere Deutschland“. Damals fragte ich mich nur, wie das dort wohl tatsächlich ist. Die Fragen zu dem Warum kamen erst zu der Zeit, als Fragen plötzlich OK waren.

Erinnerungen

Den Bananenmythos habe ich übrigens zu keinem Zeitpunkt verstanden – wir hatten Südfrüchte in den Achtzigern genauso saisonal zur Verfügung wie das im „Westen“ vermutlich damals auch noch üblich war. Was – zumindest in Salzwedel – echte Mangelware war, waren Melonen. Die schafften es gar nicht erst in den „Konsum“ oder die „Kaufhalle“ – die wurden direkt vom Hänger runter verkauft. Die Waren des täglichen Bedarfs gab es meiner Erinnerung nach immer – Fernseher, Nylon-Strumpfhosen (in der DDR hieß das glaub ich Dederon), Autos, das war schwieriger und wesentlich teurer. Aber das interessierte mich als Kind natürlich auch nicht. Dass der Rondo-Kaffee 8 Mark 25 für 125g kostete, daran erinnere ich mich, schließlich kaufte ich die Waren des täglichen Bedarfs bereits mit 8 Jahren regelmäßig allein ein, Mutter war arbeiten (von morgens halb sieben bis nachmittags halb vier). Milch 32 Pfennig plus 20 Pfennig Pfand, Brötchen 5 Pfennig. Und in den Soltmann-Bierflaschen, die ich für meinen Erzeuger ab und zu mitbringen sollte, schwammen ab und zu mal tote Mäuse.

Als unser Musiklehrer mal aus dem Unterricht zitiert wurde und, wie wir im Nachhinein erfuhren, vor der Kreisparteizentrale Rede und Antwort stehen musste, weil er uns mal eine „Sendung mit der Maus“ empfahl, produzierte das bei mir als 11-jährigem ein Stirnrunzeln.
Pakete von der Großtante mütterlicherseits aus dem Westen liefen über die Arbeitskollegin meiner Mutter, weil mein Erzeuger als Polizist natürlich keinen Westkontakt haben durfte.
Der Fernseher stand so, dass man von außen vom Nachbarblock nicht erkennen konnte, welche Programm lief (weil wir als Polizistenkinder natürlich auch kein Westfernsehen hätten sehen dürfen.) 3km Luftlinie von der Grenze hatten wir den Luxus von 3 West-Sendern: ARD, ZDF und N3 in bester Qualität.

Als ich anfing, die unbequemen Fragen zu stellen – „Was war das für eine Aktion mit unserem Musiklehrer?“ „Was soll das mit dem Westfernsehen?“ „Warum muss ich Pionierarbeit machen, wenn ich das blöd und langweilig finde?“ – stürzte das System in sich zusammen. Und mit dem Systemwechsel brach auch das Weltbild meiner Eltern zusammen. Diese tiefe Verunsicherung, dass alles, was sie sich aufgebaut hatten, alles, was zum Selbstverständnis ihres Lebens gehörte, die Kollegialität, die Nachbarschaftlichkeit, das Gruppengefühl, Teil eines Ganzen zu sein, die übertrug sich und bremste auch mich für Jahre. Die Trennung meiner Eltern (auch das war wohl in der DDR häufiger der Fall) half da auch nicht grad, gehört aber wieder zu der andermal kommenden Geschichte.

Fazit

Das Gefühl, Teil eines größeren Ganzen zu sein, das hab ich noch heute. Es fällt mir leichter, mich einzuordnen. Ich habe diese Unsicherheit nicht mehr, die ich längere Zeit von meinen Eltern mitnahm. Die Politik hat, gerade, als ich anfing, kritische Fragen zu stellen, für mich als Kind keine Rolle gespielt.

Ähnlich wie Dani habe ich von Mutters Kinderziehungsmythen im Nachhinein genießen dürfen, die ich gern zu ihrer Kreislaufanregung ignoriere.

Und die Kopfnoten des Zeugnisses sahen auch bei mir  – damals schon zarter Widerborst – aus wie im Header des Twitter-Profils von Heike.😉

PS: Wer es noch nicht gelesen haben sollte: Eine tolle Beschreibung der DDR-Jahre findet sich in Jana Hensels grandiosem Werk „Zonenkinder„, das exakt das Lebensgefühl widerspiegelt, wie ich über „damals“ empfinde.

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Es ist ein…Papa!

Dieses #blomm ist etwas, das sich – wie die meisten Dinge, die mir im geliebten Berlin widerfahren – mit einer Kraft und einer ungeahnten Richtung entfaltet, dass ich selbst überrasch bin.

Was ist passiert?
Ich war auf der re:publica, dieses Jahr zum dritten Mal. Von meinem Jahr durchwachsenen Erlebnis abgesehen, hatte ich in der Diskussion auf Twitter vorab links hinten im Augenwinkel mitgeschnitten, dass noch in der gleichen Woche in Berlin zusätzlich zwei Events stattfinden: Die #blogfamilia, organisiert von @fraumierau und @aluberlin, und das #blomm von Bea und Gaby.
Noch in der Woche vor der re:publica dachte ich nicht weiter dran. Bis ich mitbekam, dass einige aus meiner „Elternblase“ auf Twitter sich am Freitag nach der re:publica, morgens vor dem #blomm zum Frühstück treffen wollten. Da „Menschen kennenlernen und den Austausch suchen“ auch inzwischen erklärtes Ziel meiner re:publica-Teilnahmen ist, fragte ich gaaanz vorsichtig an, ob ich denn als Gelegenheitsblogger über meinen Nachwuchs vielleicht teilnehmen dürfe. Zumindest beim Frühstück, schließlich fahre ja mein Zug gegen 11…

Kurz: Die Resonanz war dermaßen ermutigend, dass ich das Frühstück auf keinen Fall missen wollte, sondern mich auch auf die Suche nach einer besser geeigneten Location machte als die, die im letzten Jahr als Treffpunkt diente.

Als es denn endlich Freitag war, kam ich trotz streikender S-Bahn-Fahrer ziemlich exakt zum vereinbarten Treffpunkt – neben mir schafften es noch MamaNotes und Frl. NullPunktZwo zum Frühstück.

Die Empfehlungen in diesem Internet sagten „Kleines Frühstück reicht völlig!“, der Appetit lies mich dann allerdings trotzdem nicht das „kleine“, sondern das „mittlere“ bestellen… naja: Davon wären wir drei und auch das Junebug mit satt geworden. (Nicht im Bild: Die 2 Kilo Brot, die dazu kamen.)

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Schließlich kam die Sprache auf’s #Blomm, zu dem wir mit zarter Verspätung unterwegs waren. Da es für mich auf der Strecke zum Hauptbahnhof lag, wollte ich die Frühstückenden noch begleiten, so mein ursprünglicher Plan. Während ich anfangs noch allein den ersten (übrigens sehr leckeren!) Kaffee genoss, schaute ich nach meiner lange vorher gebuchten Bahnverbindung.
Streikbedingt gestrichen. Nächster Zug: 16:16 ab Berlin Hbf.

Eingelullt vom bezaubernden JuneBug (Gott, was vermisste ich meine eigenen Kiddos seit Tagen: Ich hätt es am liebsten geschnappt, geknuddelt und nicht mehr losgelassen. Was ne süße Maus! <3) entschied ich mich schließlich auf die Frage von MamaNotes, ob ich denn nicht mitkommen wolle, spontan:

Jo!

Und wie einst bei meiner ersten re:publica anno 2013 kam ich – niemanden außer Sonja persönlich kennend – mit den Zweieinhalben unter zarter Verzögerung (aber noch innerhalb der Vorstellungsrunde) und ziemlich schüchtern in die Köpenicker Straße 55.

Anfangs versuchte ich noch zu twittern _und_ den Vorträgen zu Kooperationen zu lauschen. Das klappte nicht wirklich – zu viele unbekannte Gesichter, ein für mich komplett neues Universum jenseits meiner bisherigen gesellschaftspolitischen Engagements, und eine übersichtliche Daddybloggerquote (3 von knapp 40 TeilnehmerInnen) ließen meine Gedanken kreisen, in was ich hier denn reingerutscht sei.

Das Thema des Events „Blogger meets Mompreneurs“ waren Kooperationen, was für mich persönlich gar nicht so fürchterlich spannend war. In meinem Kopf spukte die Frage herum, ob ich denn noch mehr als sporadisch (z.B. zur Geburt meines Jüngsten oder zur KiTa-Eingewöhnung der Großen) aus meiner Rolle als Papa heraus berichten will. Einen tieferen Einblick in mein Selbstverständnis als Vater, das sich, wenn überhaupt, gern mal auf Twitter blicken lässt.

Zwischen Birnen-Sellerie-Suppe und der Arbeitsgruppe zur Aufstellung der „Do’s and Dont’s“ im Juristik-Bereich seh ich einen Vorstellungszettel auf dem Tisch liegen, der mich elektrisiert:

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Dieser Blog – Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten –  ist eine DER Diskussionsgrundlagen überhaupt für Anne (sie hat ihn auf ihren Recherchejagden zu diversesten Themen aufgetan) und mich, wenn es um Kindererziehung geht. Ausgewogene, gut recherchierte Beiträge, in einer Tiefe, die uns auf Anhieb ansprach.

Ich hatte versprochen, Grüße an die uns via Blogs und Twitter bekannten Namen auszurichten, aber ich hatte nicht erwartet, eine Autorin eines unserer erklärten Lieblingsblogs zu treffen. Die Grüße durfte ich bildlich verewigt zurück an die Daheimgebliebene senden, die sich entsprechend begeistert zeigte.

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Und dann dieser Moment, der scheinbar oberflächlich ein Austausch von unterschiedlichen Ansichten ist: „Ich blogge ja eher so sporadisch, mal über Gesellschaftsthemen, feministischen Krams, dann was politisches, dann über die Kids… nix festes eben.“ – „Hm. Also in Bezug auf einen bestimmten Leserkreis ist das vermutlich jetzt nicht so interessant. Die suchen womöglich eher nach was Spezifischem.“ – „Jo. Aber ich blogge ja eher so Art tagebuchmäßig für mich.“

So weit, so gut.

Kurz nach 15 Uhr muss ich los, die Arbeitsgruppen sind noch nicht ganz durch mit der Präsentation der Do’s and Don’ts aus den unterschiedlichen Blickwinkeln (Link gibt’s sobald die Dokumente online sind).

Abschied, Abfahrt, Heimkunft, Kinder herzen, gaaanz viel kuscheln.

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Bett. Und dann meldet sich der Hinterkopf.
„Willst du tatsächlich nur ein öffentliches Tagebuch führen? Ungeordnet die Beiträge kommen lassen, wie es Zeit und Muße gerade hervorbringen?“ Der Gedanke holt mich jeden Abend wieder ein. Und jeden Abend ein bisschen ausführlicher. Nach 3 Tagen geb ich auf.

Das ist der letzte Post in diesem Format des Blogs.

Im täglichen Leben habe ich mich längst dazu entschieden, dass die Familie meine höchste Priorität hat, im Bloggen wird sich das zukünftig widerspiegeln – und die Zukunft heißt, frei nach dem stehenden Begriff für mich in der KiTa der Tochter:

papapelz.de.

(Domain ist im Registrierungsprozess. Taufrisch also.😉 )

 

 

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Finding re:publica 2015

Von außen: Größer, lauter, mehr, sichtbarer, präsenter.

Von innen: Professioneller, vertrauter, routinierter, müder.

Ich werde das Gefühl nicht los. Dabei bin ich ein Fan der re:publica. Es ist ein bisschen wie, ja – wie dieser laue Sommerwind, der mit einem gewissen Schwermut und Schwüle trotz gleißendem Sonnenschein der erste Vorbote des kommenden Gewitters ist.

Die re:publica ist gewachsen. 7000 Gäste, aus jedem zweiten Land Europas, SpeakerInnen von jedem Kontinent.

Sie ist einem Abbild der Gesellschaft ähnlicher, als sie es jemals war: Mehr graues Haar – und zwar nich nur von altbekannten Gästen -, mehr Kinder, 43 bzw. 44% Frauen im SpeakerInnen- bzw. Gästebereich. Und auch thematisch wird die deutlich: Relevante Themen aus allen Bereichen des Lebens: Forschung, Politik, Technik, Erziehung, Medien, Kunst, Kultur, Liebe, Leben, Sterben. Alles dabei.

Und doch, so scheint es, ist und bleibt die re:publica bei aller medialen Aufmerksamkeit mehr eine Dokumentation der Situation denn eine Beeinflussung. Judith Horcherts Mutter bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt, dass die „alle viel zu brav“ sind.

TAG 1

Forderungen, Druck, Machtstreben, kurz das, was es bedarf, um im bestehenden System eben selbiges zu ändern, kommen seltsam kurz. Die türkische Sozialwissenschaftlerin İdil Elveriş bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt, dass sie die Macht nicht will, weil es die Gefahr der Angreifbarkeit und des Missbrauchs mit sich bringt.

Die Häusslers starten mit einem neu gegründeten Verein eine Initiative, um dem Rant der #rp13 Taten folgen zu lassen und der Rückwärtsgewandtheit des Bildungssektors mit einer eigenen Initiative für die Vernetzung der Jugend unter Druck zu setzen. Dass ist gut und wichtig, und es wird – bei Gelingen – in einigen Jahren Früchte tragen. Ob sich das Prinzip verstetigt, wird sich zeigen. Entgegen der (beruflich meist sowieso gebotenen) Reisefreudigkeit der Erwachsenenwelt dürfte eine zentrale Veranstaltung bundesweit zu reichlich Ausschlusskriterien für die Anteilnahme breiter Gruppen von Jugendlichen führen. Hier liegt noch viel Arbeit begraben, die es in nächster Zeit zu konzipieren gilt.

Markus Beckedahl und Leonard Dobusch visualisieren mein Gefühl mit dem Tal der Enttäuschung und prophezeihen die mittelfristige Wirksamkeit der Einflussnahme auf eine Reihe von Netzthemen. Einzig wie „wir“ diesen Einfluss gelten machen und „unseren Anliegen“ Ausdruck verleihen können, bleibt wie die Jahre zuvor auch nebulös.

Wie ignorant und teilweise bewusst täuschend die Politik dem zu vertretenden Souverän gegenüber auftritt, zeigte Andre Meister eindrucksvoll in seiner Session „Lügen für die Vorratsdatenspeicherung“. DAS Rezept gegen die allgegenwärtige Überwachung gibt es nach wie vor nicht.

Und wie die Wirtschaft sich im neoliberalen Umfeld die Restemotionalität von Menschen zunutze macht, zeigte ein IKM, der sich Michelle Apate nannte: Gewerbsmäßiger, systematischer Betrug auf Onlinedating-Portalen.

All hail the money.
Es gilt, die „Investition in den Wirtschaftsstandort Deutschland zu schützen“, die „Wirtschaft zum Wohle der Bevölkerung zu stärken“, „die Rahmenbedingungen für ein prosperierendes Europa zu optimieren“.
Alles, das nicht direkt dem Menschen dient, dient dem Menschen so gut wie gar nicht, sondern nur wenigen mit Einfluss.

Dieses diffuse Gefühl ist es auch, was die Rattenfänger von Pegida und Co. nutzen können, um ihrerseits ‚klare Kante‘ zu fordern und damit auf Stimmen- (AfD) und Menschenfang (*gida, HoGeSa etc.) zu gehen. Wie das geht, zeigten Julia Schramm und Laura Piotrowski.

TAG 2

Natürlich lässt sich mit den aktuellen Enwicklungen – egal, ob es sich um Fiskal-, Asyl- oder Netzpolitik, um Handelsabkommen oder Spionage im ganz großen Stil – und der entsprechenden Nutzung der Daten durch Politik, Behörden und nicht zuletzt durch die Wirtschaft ein einigermaßen dystopisch-angsteinflößendes Bild zeichnen. Das dann zu nutzen, um für ein Security-Produkt auf Stage 1 zu werben, fand ich jetzt eher so medium geil. Presented by f-secure.

Dass die re:publica groß genug geworden ist, um selbst programmatisch getrollt werden zu können, bewiesen Rebecca Cotton und Dirk Franke eindrucksvoll mit einer Session rund ums Angeln – Trolling eben.

Wie Weltpolitik gestaltet werden kann, in dem Kriege vorhergesagt (und damit verhindert, aber eben auch gestartet werden können) werden können, wurde parallel zur gewiss beeindruckenden Performance vom Astronauten Alex vorgestellt. Unter Umständen hätte ich mir diesen Mindfuck nicht antun sollen, denn Vorhersagbarkeit von Verhalten lässt sich nach den mir ziemlich vertrauten Prinzipien der Psychohistorik (aus der Foundation-Romanwelt von Isaac Asimov) aushebeln, wenn man sich bewusst wider die Regeln verhält. Was andererseits wiederum antizipiert werden könnte und damit erst dieses Verhalten ausgelöst haben könnte – und so weiter, und so fort.
Was mir tatsächlich in der Session ein wenig fehlte, war das Hinterfragen der Notwendigkeit solcher Vorhersagbarkeiten und die Verknüpfung der inzwischen massiv vernetzten Daten weltweit mit den entsprechenden seit Snowden bekannt gewordenen Spionagepraktiken. (Update folgt, sobald das Video online ist.)

https://re-publica.de/session/predicting-war-minority-report-meets-world-politics

An dieser Stelle zog ich für mich die Reißleine im Programm. Der laue Sommerwind war inzwischen einer gediegen schwülen Luft gewichen, und die ersten Feedbacks von Dritten zeigten, dass ich bereits länger durchgehalten hatte – sehr beliebig, sehr undifferenziert, inhaltlich zu diversifiziert und nicht konzentriert genug, kurz: alles zu generisch und damit beliebig.

Um mir selbst ein wenig Hoffnung zu besorgen, besuchte ich den Talk mit Josh aus Hamburg, den ich bereits vom Barcamp Hamburg kannte. Neben ihm waren noch zwei weitere Jugendliche sowie Geraldine vom Team der re:publica auf der Bühne, um über das Medienverständnis und die Nutzung in der Altersgruppe der Teenager zu diskutieren. Das half. Und ich bin nicht der einzige, der den Talk als empfehlenswert klassifiziert.

TAG 3

Ein zweiter Lichtblick des „wie soll das mal in Zukunft laufen?“ lieferte die fabelhafte Journelle. Liebe hat in der Tat wenig mit Monogamie zu tun, und all die verwirrend wundersamen und doch zugleich schrecklich normalen Konsequenzen daraus hat sie in einen sehr unterhaltsamen Beitrag zusammengefasst. Und ebenso konsequent zuendegedacht wie vorgetragen war auch die Verweigerung, eine persönliche Referenz dazu zu ziehen.
Die braucht’s nämlich nicht.

Einen Ausflug in die Dystopien wagte ich doch noch, auch wenn ich das nach einer halben Stunde wieder abbrach: Wenn Enno Park darüber berichtet, dass er – weil er’s kann – gern mal mit einem Backup-Implantat für sein Cochlear Ultraschall hören möchte, dann befremdet mich das zunächst ein wenig, aber sei es ihm gegönnt, wenn er meint, er müsse das. Geht es jedoch in die Denkrichtung von Ray Kurzweils „Menschheit 2.0„, dann steige ich aus.
Es mag sein, dass es Bestrebungen gibt, den Menschen zu „perfektionieren“. Eine Borg-Zukunft ist für mich allerdings nicht akzeptabel. Ein friedliches Miteinander von Singularität und „wilden Menschen“ ist dem Prinzip der Singularität nach nämlich ausgeschlossen.

Fazit

Wenn ich denn eines zusammenfassen kann, dann: Die Menschen retteten diese re:publica 2015 für mich. Wäre dies meine erste gewesen, ich wäre nicht wiedergekommen.
Es war die Schicht, die ich am Montag in der Akkreditierung der Speaker übernahm und mit Pauli und Tobi Großteile meiner Twitter-Timeline begrüßen durfte. Es war die Diskussion über die Schwierigkeiten im ehemaligen Jugoslawien mit einer Betroffenen (in einer Runde von 13). Es war der Abend, an dem das mit dieser „gleichen Wellenlänge“ gespenstisch gut lief. Es war das Kennenlernen einiger, denen ich bisher nur digital über den Weg lief. All das war „meine“ #rp15. Und nicht zuletzt die Kulinarik, organisiert von Peter, die Freunde und neue Bekanntschaften miteinander verwob.

Ich werde wiederkommen. Denn so einem lauen, später schwülen Lüftchen folgt irgendwann dieses reinigende Gewitter, nach dem es mit der Welt und dem Drumherum weiter geht. Es mag einiges auf der Strecke bleiben, aber das tut vielleicht auch einer re:publica ganz gut.

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re:plan – wider die Vorhersehbarkeit

Bei rechtzeitiger Buchung kommst du für nicht mal 44 Euronen von Hamburg nach Berlin und zurück. Super Sache, das.

Nach den letzten zwei Jahren re:publica habe ich verinnerlicht, dass ich mich darauf verlassen kann, dass meine Pläne rund um diese Berliner Woche für den Papierkorb taugen, für sonst nix. Egal, ob Sessionplanung, Treffen mit geneigten Geistern, Reiseverbindungen, Essen und sonstige Verabredungen.

Das im Hinterkopf stieg ich heute einfach eine S-Bahn früher in den Zug. 

Und schon die war verspätet. Gut, dass ich mich dafür entschieden hatte: Hamburg Hauptbahnhof, die Anzeigetafel bescheinigt meiner originären Verbindung, dass sie sich verspäten wird. 10min sagt die Tafel, der Bahn-Mitarbeiter scheint mehr zu wissen und bescheinigt mir zum gleichen Zeitpunkt 25min – und hebt meine Zugbindung auf.

  
Wie schön: Dadurch, dass auch die Verbindung eins früher nach Berlin bereits Verspätung hat (und die startet in Hamburg), erwisch ich die noch. Gleiswechsel kurz vorher natürlich inklusive. Kaum 5min im Zug, erzählt mir Twitter vom längsten Streik der Bahngeschichte: die komplette Veranstaltungswoche durch. 
Nächtigen in Wannsee, so der Plan, bedingt eine funktionierende Bahn-Anbindung zur re:publica. Die geplante Rückfahrt am Freitag liegt 2 Tage vor dem Streikende. Wir haben gemeinsame Essenabende geplant.

Alles wird wie immer: Planungen für die re:publica sind für’n Poppes.

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